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| Blumenpolaroid nach Säurebad. |
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| Blumenpolaroid nach Säurebad. |
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| Polaroid nach einigen Tagen im Wasser/Säurebad. |
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| RGB. |
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| Instax mini evo hybrid. |
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| Rückansicht der Evo. Bedienelemente sind übersichtlich angeordnet. Schutzfolie lasse ich drauf. |
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| Bildauswahl und Druckbefehl erfolgen in der App. |
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| Bereits nach wenigen Sekunden schiebt sich das Bild aus der Evo. |
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| Graffiti "Freaks", gesehen in Lübeck. |
"Schauen Sie mal hier! Das sind meine Motive", sagte ein junger Mann, der vor Jahren als Teilnehmer bei mir am Bewerbungstraining teilnahm. Ich sah auf dem Bildschirm seiner Digitalkamera mindestens zwölf besprühte Einsenbahnwaggons, darunter sogar einige von ICEs.
"Die Kamera haben Sie immer dabei?", wollte ich wissen. Er bejahte mit den Worten "Muss doch alles was ich mache dokumentieren." Ich schüttelte den Kopf. Selbst ein Änfänger im Polizeidienst wäre ohne Nachdenken in der Lage diese Fotos ihm gegenüber als Beweislast zu betrachten. Kurzum: Er wäre dran!
Doch warum ist die Graffitiszene so groß, so weit verbreitet. Und das schon seit langer Zeit. Ein früherer Studienkollege von mir, Ulrich Dammer, schrieb bereits Anfang der 80er Jahre seine Magisterarbeit im Fach Germanistik über Graffitis. Und heute, in Lübeck, ist die Rückseite einiger Fabrikgebäude an der Kanaltrave sonntags ein regelrechter Hotspot für Sprayer.
Am letzten Sonntag radelte ich dorthin um Fotos zu machen: Es war unmöglich, denn auf einer Länge von 100 Metern war jeder Mauerfleck von den Sprayern belagert und wurde bearbeitet. Künftig fotografiere ich montags und es lohnt sich wirklich, denn die Kunstwerke von der Vorwoche werden am Sonntag buchstäblich überarbeitet. Ein Beispiel dafür sehen Sie auf dem nachfolgenden Bild. Nr. 1 ist die Urversion - Nr. 2 die Überarbeitung. Welches ist besser 1 oder 2? Schreiben Sie es gerne in die Kommentare.:
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| Zweimal Kywis: Graffitis werden auch mal aktualisiert. |
Zurück zur Frage nach dem "Warum". Hier helfen Untersuchungen der Universität Potsdam weiter. Diese kamen nach Wikipedia im Ergebnis zu verschiedenen Motivationen der Sprayer:
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| Neue Variante eines VW? |
Illegales Malen bedeute "ein hohes Maß an psychischem und physischem Stress", so Wikipedia weiter. Dies könne an Anreiz sein auf legale Künste umzusteigen.
Anmerkung von mir: Den drogenähnlichen Rauschzustand, der in den Untersuchungen festgestellt wurde, halte ich für ein Äquivalent zum Flow, den jeder Kunstschaffende (auch Amateure!) kennt. Im Flow vergisst man Raum und Zeit, konzentriert sich nur auf sein Schaffen und gerät danach in einen Zustand der wohligen Erschöpfung.

Beim Graffiti "Marion" habe ich die Farben "aufgedreht".
Graffitifotos mit PS und dem Camera Raw-Filter zu bearbeiten, kann sehr attraktiv sein. Spielerischer Umgang mit Farben, Klarheit und Form sowie Belichtung ermöglichen Ergebnisse, die weit über das Original hinaus gehen. Das muss für mich wohl der Grund sein, warum ich so gerne Graffitis fotografiere.
Unter felske_photo sind meine aktuellen Fotos bei Instagram zu sehen. Seit zwei Wochen poste ich wieder regelmäßig ein Bild pro Tag. Aktuell befasse ich mich mit der Fotografie durch die Glaskugel und auch mit Fotos von Graffitis.
Weiter unten (in der Vergangeheit) sind Porträtfotos gepostet. Angefangen habe ich dieses Profil mit Blumenfotos.
Im Ordner "zur Bearbeitung" liegen derzeit ca. 100 Fotos aus den ersten beiden Themenbereichen. Die Lübecker Graffitiszene ist riesig. An den Rückwänden von Fabrikgebäuden an der Kanaltrave (Fluss) treffen sich Sonntags dutzende Sprayer und übermalen die Kunstwerke von einer Woche zuvor.
Montags kommt dann meine Stunde... :-)
| Gott habe die Menschen nach seinem Bilde geschaffen. |
Liebend gerne durchforste ich historische Texte aus der Geschichte der Fotografie. Fündig geworden
bin ich heute im Buch "Theorie der Fotografie" von Kemp/von Amelunxen. Der Text von Max Dauthendey ist möglicherweise Fake, da es keine echten Quellenangaben dafür gibt. Dennoch möchte ich Ihnen den nicht vorenthalten. Es geht um Gott und Bildnisse.
Gegen Neuerungen zeigte sich die Kirche in ihrer Geschichte bekanntermaßen widerspenstig und kratzbürstig. Umso mehr dürfte ein Aufsatz des Fotografensohns Max Dauthendey aus dem Jahr 1841 spitze Schreie der Freude bei Klerikalen hervorgerufen haben.
Schon der Wunsch Spiegelbilder festzuhalten sei eine Gotteslästerung, schreibt Dauthendey in seiner kleinen Abhandlung "Des Teufels Künste". Der Mensch sei "nach dem Ebenbild Gottes geschaffen,
und Gottes Bild kann durch keine menschliche Maschine festgehalten werden", schreibt Dauthendey. Erlaubt sei dies nur "göttlichen Künstlern", die dies ohne maschinelle Hilfe beherrschten.
"Gott hat zwar bisher in seiner Schöpfung den Spiegel, der eitles Spielzeug des Teufels ist, großmütig
geduldet. Wahrscheinlich aber übt er diese Nachsicht, damit insbesondere die Weibspersonen im Spiegelglase ihre Einfalt und ihren Hochmut sich vom Gesicht ablesen können. Aber kein Spiegel, weder dessen Glas noch dessen Quecksilber hat von Gott bisher die Erlaubnis erhalten, Menschengesichter in seiner Fläche festzuhalten."
Daguerres Erfindung sei eine "Erfindung teuflischster Art". Wenn sich jeder für seine Goldpatzen sein
Spiegelbild dutzendweise anfertigen lassen kann (...) wird eine Massenkrankheit von Eitelkeitswütigen
ausbrechen, denn wenn sich jedes Gesicht dutzendweise verschenken und bewundern lassen kann", dann mache das die Menschen "gottlos oberflächlich und gottlos eitel."
Wenn Max Dauthendey von Selfies gehört hätte...
| Elbphilharmonie mit Detail von der Fassade. Wer genau hinschaut, sieht dies. |
Schauplatz Neuruppin, Fontaneplatz. Seit dem 8. Juni 1907 steht dort das vom Bildhauer Max Wiese gestaltete Denkmal des Dichters der Mark, Theodor Fontane. Wie sieht das "richtige" Foto dieses Denkmals aus? Für Menschen, die tagtäglich auf dem Weg zur Arbeit und zurück daran vorbei gehen? Für sie reicht wohl eine durchschnittliche Automatikaufnahme. Diese Betrachter werden über das Foto sofort denken "Aha, kenne ich, das Denkmal von Fontane auf dem Fontaneplatz.
Touristen, die das Denkmal zum ersten Mal sehen, verweilen dort. Lange. Sie sehen sich das Denkmal recht genau an. Das konnte ich in dem Jahrzehnt, das ich in Neuruppin als Bildjournalist und Redakteur verbracht habe, oft beobachten. Sie kennen das Denkmal vielleicht aus ihrem Reiseführer. Sie denken möglicherweise "Aha. So sieht es also in echt aus, das Denkmal aus dem Reiseführer." Viele machen auch Fotos davon - eigentlich die meisten von ihnen. Oft schauen sie sich nochmal das Foto im Reiseführer an und stellen Vergleiche mit der Wirklichkeit an. Ob sie in der Qualität ihrer Fotos über die oben erwähnte Automatikaufnahme hinaus kommen? Manche vielleicht. Die meisten sicherlich nicht. Die zählen zu den um sich schießenden fotografierenden Touristen, den Foto-Wilddieben.
Ortswechsel. Schauplatz Neustadt/Dosse, Aula des dortigen Gymnasiums. Es steht eine Lesung von Günther Grass auf dem Stundenplan. Er liest aus "Ein weites Feld" für Oberstufenschüler. Auch er steht in der Geschichte vor dem Denkmal. Er beschreibt es wie folgt: "Wie erwartet fanden sie den Schriftsteller als rastenden Wanderer, in Bronze sitzend, auf einer steingehauenen Bank. Er wollte von
allen Seiten besichtigt werden. Dort, wo er sich mit dem linken Arm abstützte, war der Armlehne eine Metallplatte im Schmucksims eingelassen, auf der zu lesen stand, daß dieses Denkmal im Jahr 1907 dem ´Dichter der Mark` errichtet worden war.
Seitdem sitzt er im offenen Mantel, schlägt das rechte Bein über, läßt die rechte Hand, die den massiven Bleistift hält, nahe dem hochgestützten Knie ruhen, während die linke Hand vom Steinsims weg lässig abknickt und mit dem Zeigefinger ein Notizbuch aufsperrt. Neben dem Sitzenden, der barhäuptig in die Ferne schaut, ist genügend Platz für den metallenen Faltenwurd des insgesamt geräumigen Mantels und den im Verlauf der Jahrzehnte grauschwarz patinierten Hut, den der rastende Wanderer auf der Bank abgelegt hat und dessen Krempe rundum aufgestülpt einen Graben bildet, in dem sich Wasser von letzten Regengüssen gesammelt hat.
Der eigentliche Hut wirkt flach, weil eingedellt. Über die Lehne am anderen Bankende, der gleichfalls eine Metallplatte eingefügt worden ist, auf der Name, Geburtsort und die beiden Daten des Dichters zu lesen sind, hat der rastende Wanderer durch die Mark seinen berühmten Shawl geworfen, dem allerdings kein schottisches Muster eingewebt worden ist. Außerdem lehnt sich in naturgetreuem Guß
sein Wanderstock an die steinerne Lehne. Die Bronze glänzt abgegriffen, die Wanderschuhe sind geputzt. (...) Vielleicht sollte noch die vom offenen Mantel freigegebene Weste erwähnt werden - auch daß sie Querfalten wirft - und gleichfalls die zur Schleife gebundene Halsbinde. Man könnte sich in weitere Details vergucken - später vielleicht."
Soweit Günter Grass im Original. In der Aula war die Lesung mittlerweile vorbei. Für die Schüler war es Zeit Fragen zu stellen. Wieviel er pro Tag schreibe, woher die Ideen kämen und ähnliche Fragen beantwortete der Schriftsteller sehr höflich und präzise. Pädagogisch und ganz fachlich wurde Grass dann in den Antworten auf diese Frage: "Waren Sie eigentlich schon einmal in Neuruppin? Sie beschreiben ja das Fontanedenkmal so genau."
Manche der anwesenden Schüler glucksten ein wenig, blieben aber ansonsten altergemäß (Oberstufe) professionell. Da auch ich Ohrenzeuge dieser Frage war, kannte meine Spannung keine Grenzen. Wie würde der Schriftsteller reagieren? Seine pädagogisch und auch fachlich gut gemeinte Antwort lautete: "Ja, ich stand bereits vor dem Fontanedenkmal. Und wissen Sie, ich bin nicht nur Schriftsteller sondern auch Zeichner. Und als Zeichner, da muss ich ganz genau hinschauen, damit ich auch erfasse, was ich vor mir habe."
Wie hätte Günter Grass das Fontanedenkmal fotografiert? Er hat früher auch fotografiert - gerne mit einer Boxkamera. Doch mit dieser wäre auf dem Denkmalfoto nicht das zu sehen gewesen, was er im Buch beschreibt. Hätte Grass sich wegen der Tiefenschärfe für eine kleine Blendenöffnung entschieden und mit Stativ fotografiert? Um die Details dann auch zu zeigen wäre ein großformatiger Abzug erforderlich (ab DIN A4), der in kein Fotoalbum passt. Schlägt also in dieser Hinsicht das geschriebene Wort die Fotografie?
Sicherlich nicht. Allerdings müssen Fotografen mit einem geschulten fotografischen Blick an das Motiv herangehen. Dieser Blick nimmt Bildkomposition samt Tiefenschärfe und Lichteinfall vorweg. Das Foto entsteht zuerst im Kopf und wird dann mit vorhandener Technik umgesetzt. Übrigens: Manuelle Kameraeinstellungen helfen hier sehr. Vielleicht wäre ein Fontaneporträt, aufgenommen von einer Leiter aus seiner Blickrichtung, angebracht? Oder besser doch das Standardfoto von vorne? Sie entscheiden, wenn Sie einmal vor dem Denkmals auf dem Fontaneplatz in Neuruppin stehen.
Auf dem Foto oben sehen Sie links die Hamburger Elbphilharmonie und rechts eine Detailaufnahme der Fassade. Wer die Immobilie sachlich kurz anschaut und "Aha, Elbphilharmonie!" denkt, der wird nie diese Details sehen. Er bestätigt sich nur, dass ihm die Umwelt vertraut ist - kein Grund zur Beunruhigung. Es lohnt sich immer, das zeigt das Foto oben, ganz genau wie Günter Grass hinzuschauen. Das klappt in diesem Fall entweder mit Teleobjektiv oder mit Fernglas.
Völlige Bildschärfe war schon immer Ansichtssache. Peter Henry Emerson schreibt 1889 in seinem Aufsatz "Die Gesetze der optischen Wahrnehmung und die Kunstregeln, die sich daraus ableiten lassen": (...) kann man nun verstehen, daß ein Bild nicht in jedem Teil zu scharf sein sollte, denn dann wird es falsch. Es sollte gerade so scharf werden, daß es am besten die Erscheinung der Natur, so wie man sie von einem bestimmten Standpunkt aus wahrnimmt, wiedergibt und nicht schärfer, denn man muß bedenken, daß das Auge die Dinge nicht so scharf sieht wie die fotografische Linse (...)" Das menschliche Auge arbeite fehlerhaft und berichtige ab einer Entfernung von sechs Metern die Tiefenwerte nicht korrekt. Schärfe stehe nur dem Hauptgegenstand des Bildes zu, alles andere dürfe nicht scharf sein.
Emerson erklärt seine Sichtweise anhand des folgenden Beispiels: "Ein verfallener hölzerner Landungssteg steht neben einigen Trauerweiden am Ufer eines Sees. Vom Landungssteg führt ein Weg durch einen Garten hin zu einer strohgedeckten Hütte, ungefähr 90 Meter entfernt. Hinter der Hütte
läuft eine Pappelallee. Auf dem Landungssteg steht ein schönes sonnengebräuntes Bauernmädchen in einem einfachen Baumwollkleid. Sie lehnt gegen eine Weide und schaut versonnen in das Wasser. Wir, die wir auf dem See rudern, sind von dem Bild, aber besonders von der blendenden Schönheit des Bauernmädchens gerührt. Unsere Augen fixieren ihr gesundes Gesicht und können nirgendwo anders hinschauen." Direkt und scharf werde nur das Gesicht des Mädchens gesehen. Die anderen Dinge wie Weiden, Steg und Baumwollkleid kennen wir, würden sie aber unscharf sehen.
Emerson verändert nun sein Beispiel wie folgt: "(...) stellen wir uns vor, daß das Ganze sich verändert, so wie eine Bühnenszene sich verändert. Allmählich treten das Kleid des Mädchens und die Rinde und die Blätter der Weiden scharf heraus, die Hütte verwandelt sich und wird scharf, so daß die Umrisse des Mädchens wie ausgeschnitten vor ihr erscheinen, die Pappeln in der Ferne sind scharf, und das Wasser kommt näher, und alle Kräuselungen auf seiner Oberfläche und alle Lilien an seinem Rand sind scharf. Und wo ist das Bild? Verloren! Das Mädchen ist das, aber sie ist nur ein Fleck inmitten all der scharfen Details (...). Unsere Augen irren von der Rinde zu den Blättern und von dem Stroh auf dem Dach hin zu den kleinen Wellen, sie finden keinen Anhaltspunkt (...)"
Nun haben wir die Grass´sche Schärfe und die Unschärfe, nach der Emerson es verlangt. Den Blick des Betrachters zu führen, ist stets eine gute Wahl. Das gelingt mit gezielter Unschärfe ganz sicher. Genau hinsehen und sich nicht nur mit der Definition dessen zufrieden zu geben, was wir sehen, gehört zum fotografischen Blick ganz gewiss dazu. Wie Sie dahin kommen? Probieren Sie einfach alles aus: Spielen Sie mit Schärfe und Unschärfe, unterschiedlichen Perspektiven, verschiedenen Belichtungszeiten bis hin zur Langzeitbelichtung, Licht und Schatten, Bildausschnitten usw. bis Sie mit der Bildaussage zufrieden sind. So schulen Sie Ihren fotografischen Blick.
Übrigens: Ich hätte mich in Emersons Beispiel für ein Porträtfoto des Mädchens entschieden. :-)
(Der Aufsatz von Emerson ist im Buch "Texte zur Theorie der Fotografie" des Reclam Verlags zu finden.)
| Boulevard du Temple by Daguerre. Pariser Straßenansicht mit Menschen. Quelle: Wikipedia |
Einst versuchte Louis Daguerre vergeblich seine Erfindung der Daguerreotypie zu verkaufen oder mittels eine Aktiengesellschaft zu vermarkten. Der Physiker und Politiker Dominique Francois Arago sprang Daguerre zur Seite mit seiner Idee, die Erfindung an den Staat zu verkaufen und dafür Entschädigungszahlungen zu erhalten. Am 3. Juli 1839 hielt Arago vor der Deputiertenkammer
eine flammende Rede für das Vorhaben pro Daguerreotypie.
Experimente, Projekte und die Wissenschaft könnten durch das neue Verfahren ihren Nutzen ziehen, war Arago sich sicher. Er plädierte wie folgt. "Nachdem Sie mehrere Bilder gesehen haben, wird wohl jeder daran denken, welch ungeheuren Nutzen die ägyptische Expedition aus einem so genauen und so schnellen Reproduktionsmittel hätten ziehen können (...) Um die Millionen und Aber-Millionen Hieroglyphen zu kopieren (...) bedarf es Dutzende von Jahren und einer Legion von Zeichnern. Mit dem Daguerrotyp könnte ein Mann diese Aufgabe bewältigen."
Dass das neuartige Verfahren der Kunst schaden könnte, verneinte der Maler Paul Delaroche. "Kurz gesagt, mit der bewunderungswürdigen Erfindung hat Herr Daguerre den Künsten einen außerordentlichen Dienst geleistet", so Delaroche. Regelreicht begeistert habe ihn die unnachahmliche Feinheit des Bildes sowie die Präzision der Formen und die Genauigkeit der Linien. Maler könnten durch das Verfahren Sammlungen von Studien anlegen, die anderenfalls erheblichen Aufwands bedurft hätten.
Mit nur drei Gegenstimmen wurde dem Antrag auf staatlichen Erwerb durch 273 Ja-Stimmen stattgegeben. Louis Daguerre wurde eine Pension von 6.000 Francs zugesprochen. Daguerre und Niépce erhielten den Orden der Ehrenlegion. Die Nachricht dieser Entscheidungen verbreitete
sich quer durch Europa.
In Deutschland zeigten sich die Kritiker baff enttäuscht. Ludwig Schorn, Herausgeber des "Morgenblattes für gebildete Stände" und sein Kunstkritiker Eduard Koloff beklagten in ihrem Aufsatz "Der Daguerreotyp", dass die Daguerrotypie keine farbliche Darstellung hergebe. Ferner wurde die schwere und unhandliche Technik kritisch beäugt: "(...) aber man hatte gehofft, es würde sich jeder mit Leichtigkeit des Apparats bedienen können, um aus dem Fenster seiner Wohnung, oder auf Reisen, selbst aus dem Wagen, die äußeren Gegenstände aufzunehmen. Statt dessen ward eine künstliche,
feine und schwierige Prozedur gefordert, die nur ein geübter Chemiker mit einigem Gelingen vorzunehmen vermag."
Der Malerei schade das neue Verfahren sicherlich nicht, so Schorn. Der Daguerreotyp schreibe aber nur leblose Natur ab. Darstellungen von Bewegungen seien nicht möglich. "(...) ja selbst das Bildnis eines ganz ruhig dasitzenden Menschen scheint ihm nicht gelingen zu wollen, weil die unmerklichste Bewegung der Augen der Abbildung dieser Teile Bestimmtheit und Glanz nimmt (... und) schon die leise Bewegung des Atems eine Änderung der Konturen hervorbringt", so Schorn.
Ludwig Schorn war gedanklich seiner Zeit voraus. Es sollte noch einige Dutzend Jahre dauern, bis die Belichtungszeiten seinen Anforderungen gerecht wurden.
(Zitate und Text beziehen sich auf das Buch Wolfgang Kemp/Hubertus v. Amelunxen, Theorie der Fotografie I-IV 1839-1995, Verlag Schirmer/Mosel, München 2006)
| Vergängliches dokumentieren ist schon lange Zeit eine Aufgabe der Fotografie. |
Eine neue wertvolle Funktion von Fotos als detailliertes scharfes Abbild entdeckte man kurz nach der Unschärfedebatte, die sogar ärgste Kritiker der Fotografie zu Lobeshymnen motivierte: Fotos wurden plötzlich als Zeitdokument von Menschen, Gebäuden und anderen Vergänglichem gesehen.
"Wenn sie gefährdete Ruinen, Bücher, Stiche und Manuskripte vor dem Vergessen bewahrt, jene wertvollen Güter, deren Form sich auflöst und die Anspruch auf einen Platz in den Archiven unserer Erinnerung haben, dann soll die Fotografie bedakt und belobigt sein", schrieb Baudelaire.
G.J. Banner beschäftigte sich 1864 mit den sozialen Auswirkungen von Fotografie. "Durch diese Kunst sind die Gefühle der Ärmsten stimuliert worden - man braucht nur zu beobachten, mit welcher Freude die Armen diese sprechenden Erinnerungen an geliebte Verstorbene oder an noch Lebende betrachten", stellte er fest.
Arme, Arbeiter und Bauern könnten nun Porträtfotos geliebter Menschen und vor allem auch solcher von Herrschern in ihrem Heim aufstellen. Dies habe beträchtlich zur Gefühlsentwicklung und Loyalität der unteren Gesellschaftsschichten beigetragen. Über ein Bildnis der Königin Viktoria schreibt Banner: "Es gibt kaum ein Wohnzimmer oder eine Hütte in England, in der dieses wohlbekannte und geliebte Bildnis nicht seinen Platz gefunden hat, und es ist in hohem Maße dieser intensiven gesellschaftlichen Wirkung der Fotografie zu verdanken, dass sich in unserem Volk ein Gefühl der Loyalität breitmacht (...)".
(Zitate und Text beziehen sich auf das Buch Wolfgang Kemp/Hubertus v. Amelunxen, Theorie der Fotografie I-IV 1839-1995, Verlag Schirmer/Mosel, München 2006)
Von abstrakter Fotografie zu Künstlicher Intelligenz Nach zahlreichen Experimenten mit Polaroids oder ICM trieb mich die aktuelle Entwick...